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Die Taufe Jesu im Jordan
Darstellung aus dem Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg, um 1175.
(Quelle: wikimedia)

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Was in der Taufe Jesu sichtbar wird, ist keine Machtdemonstration, sondern die Weise, wie Gott in dieser Welt gegenwärtig ist. Jesus tritt nicht herausgehoben auf, er drängt sich nicht vor. Er stellt sich in die Reihe der Menschen und offenbart damit eine Ordnung, die den gängigen Logiken von Stärke, Durchsetzung und Lautstärke widerspricht. In einer Zeit, in der viele erleben, dass Regeln brüchig werden und Recht zunehmend vom Einfluss der Stärkeren abhängt, wirkt dieses Fest wie ein leiser, aber deutlicher Gegenakzent.

Die Lesung vom Gottesknecht aus dem Buch Jesaja gibt dieser Erscheinung Gottes Worte und Bilder. Gott stellt keinen Sieger vor, sondern einen Knecht: abhängig, verletzlich, beauftragt. Einer, der das Recht bringt, ohne zu schreien, ohne zu drohen, ohne zu zerstören. Gottes Recht wächst aus Treue und Verlässlichkeit. Es schützt das Geknickte und bewahrt das Glimmende. Es richtet den Blick nicht auf das Erfolgreiche, sondern auf das Gefährdete.

Für uns heute kann das bedeuten, aufmerksam zu werden für diese andere Ordnung Gottes – im eigenen Leben ebenso wie im Zusammenleben. Nicht alles, was sich durchsetzt, ist darum schon richtig. Nicht alles, was leise ist, ist schwach. Der Glaube lädt ein, sich an dem Gott zu orientieren, der an die Hand nimmt, Halt gibt und jedem seinen Platz zuspricht, ohne ihn erkämpfen zu müssen.

Ihr Pfarrer
Geistl. Rat Dr. Markus Schrom